Yes, we Change! Change Management als Modedroge der digitalen Museums-Strategen

(please find English summary below)

Etwas ist faul im Staate Dänemark – ein Unbehagen breitet sich aus und es hat mit Veränderungen zu tun. Schaut man sich die Formulierungen einmal genauer an, die sich auf das Thema Digitalisierung im Museum beziehen, dann stellt man bald fest, es ist immer wieder vom „rasanten Wandel“ die Rede, der die Gesellschaft als Ganzes erfasst, der sie verändert und auf den Museen unbedingt reagieren sollten, um am Leben zu bleiben. Die Medizin wird in der Regel gleich mitgeliefert – in Form von strategischen Hinweisen, oder in Form von Werkzeugen, die v.a. aus der Wirtschaft bekannt sind, wie dem Change Management, oder in Form von Ideen wie dem Design Thinking oder Ansätzen, die Lernprozesse in Institutionen triggern sollen. Es ist natürlich nichts Schlechtes daran, für ein Problem eine Lösung parat zu haben, aber es darf auch genau gefragt werden, wie diese denn aussehen könnte.

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Digitale Strategie ist tot? Steinzeitliche Artefakte im Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg, 2017.
 

Kurzum: Die Impulse, die von den Museum and the Web Konferenzen der vergangenen Jahre ausgegangen sind, sind nun langsam auch hierzulande durchgesickert – selbst wenn Rob Stein unlängst laut darüber nachgedacht hat, ob die digitale Strategie nicht selbst längst tot sei. http://labs.aam-us.org/blog/museums-and-digital-strategy-today/ Das Argument ist, dass alle guten Ratschläge zur Entwicklung von digitalen Strategien, wie sie nun von Brandenburg bis Pforzheim eifrig hin und her gekaut werden, im Grunde keine Chance auf Realisierung haben, wenn sie nicht durch die Verantwortlichen im Museum unterstützt werden. So die amerikanische Lesart (freilich ohne Brandenburg und Pforzheim zu erwähnen.) Die Entwicklung von digitalen Strategien erfordert zudem ein grundsätzliches Nachdenken und Umdenken, so die These, die in Cleveland  diskutiert wurde – eine Neuformulierung der Museums-Mission-Statements, die in der Regel die heiligen Kühe einer Institution darstellen. Bevor die riskiert werden, rollt vielleicht der Kopf des Boten, der die üble Nachricht von der Notwendigkeit des Wandels überbrachte?

Von solchen Bedenken sollte sich die Museumswelt hierzulande aber nicht irritieren lassen. Natürlich macht es Sinn erfolgreiche Prinzipien der Erneuerung von Unternehmen zu kopieren und auf die Museumswelt zu übertragen, denn – darin sind sich viele Akteure einig – Untätigkeit ist keine weiterführende Strategie, oder anders gesagt: das digitale Rad dreht sich weiter, auch wenn sich die Museen hinter ihren traditionellen (aber ja auch nicht in Stein gemeißelten) Auftrag verschanzen, der aus Forschen und Vermitteln, Bewahren und Ausstellen besteht (oder vielleicht bestand?).

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Auf den richtigen Mix kommt es an!
 

Wie aktuell die Debatte hierzulande ist ahnt man beim Überfliegen der Redebeiträge der diesjährigen Focus Museum Tagung in Brandenburg. http://www.focus-museum.de/ Das Event mischt wie jedes Jahr Akteure aus Wissenschaft, Museum und Agenturszene (und immer wieder auch der freien Wirtschaft!). Change Management steht mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung dieses Jahr ganz oben auf der Agenda und Transformation, Change, Inklusive, Partizipation oder Agilität etc. pp. kommen dabei als Claim in bald jeder Überschrift vor. Man darf gespannt sein, ob der Weckruf sich nicht auch hier wieder vor allem an die richtet, die schon wach sind. Ein gutes Zeichen ist es, wenn dann auch – wie es bei dieser Veranstaltung jedenfalls vereinzelt der Fall ist – auch die Leiter von Museen selbst einmal auf dem Podium stehen. Paul Spies macht es vor. Was dabei herauskommt? … wir werden sehen (und vielleicht berichten).

English summary:

The terminology used in the debate about how museums are affected and transformed in the digital age is often quite dramatic. Rapid change is expected to happen and the cure for the disease as rapidly prescribed as the disease itself is diagnosed. Concepts borrowed from the business world, like change management and the idea of learning organizations are often cited as efficient instruments for restructuring an institution that is widely considered old fashioned and obsolete, but modern concepts such as design thinking promise a successful reform.

The Museum and the Web conferences of recent years have pretty much influenced the debate in Germany. Still, Rob Stein and others have pointed out that a digital agenda alone is not enough to make change successful, but that the entire mission of museums must be evaluated and updated. Still, such initiatives require passion and courage and one of the problems today is that top museum management is not necessarily in favor of a fundamental reprogramming of the institutions. However, in face of current developments not taking action is not an option.

One of the upcoming museum gatherings in Brandenburg is going to focus strongly on aspects of change management, inclusion, participation and agility (all key terms extensively used in the current debate about how to shape the future of museums) and it may be considered a good sign that even some representatives from the top management of museums will be present.

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