Wie digital sind deutsche Museen? (English Summary)

(Please, find English summary at the bottom of this page.)

Die Digitalisierung spielt für zahlreiche Kernaktivitäten des Museums eine zentrale Rolle. Man könnte fast behaupten, ohne digitales Profil verlieren Museen den Anschluss an das gesellschaftliche Geschehen, an die internationale Entwicklung und generell an die Art und Weise, wie Informationen verbreitet und geteilt werden. Was ist das aber: ein digitales Profil?

Soviel scheint klar: Wenn Museen die Digitalisierung verschlafen, laufen sie Gefahr nicht mehr wettbewerbsfähig zu sein, bzw. ihre Relevanz zu verlieren – so eine oft formulierte Befürchtung. Aber in welchem Maß ist diese Annahme auch wirklich zutreffend und wie steht es aktuell um die Digitalisierung deutscher Museen? Wie lassen sich die strategischen Ansätze, die Museen verfolgen, zusammenfassen und welche Mission verbinden sie mit den sich neu eröffnenden digitalen Kanälen?

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Digitale Medien im Rautenstrauch-Joest Museum, Köln 2017.

Zunächst kann man feststellen, dass die meisten Museen in irgendeiner Form im Internet vertreten sind. Schließlich sind viele Museen durch ihre Webseiten präsent, auf denen sich Besucher über Öffnungszeiten, Services und Ausstellungsprogramme informieren können. Die reine Webpräsenz ist heute allerdings in etwa so innovativ wie einst das Telefonbuch und Werner Schweibenz hat diese Form der Informationsvermittlung einmal trocken als „Broschürenmuseum“ bezeichnet. Ganz falsch ist das nicht, auch wenn man inzwischen vielleicht eher vom Flyermuseum sprechen würde.

Aber natürlich sind Webseiten längst nicht die einzige Form, in der Museen sich digital präsentieren. Social Media-Kanäle haben in den ersten 5-10 Jahren des neuen Jahrtausends einen regelrechten Hype ausgelöst und es gehört für viele Museen einfach dazu, ein Facebook-Profil zu unterhalten, einen Blog zu schreiben, oder auf Twitter zu posten.

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Blog des Jüdischen Museums Berlin, Screenshot 2018.

Die Branche hat sich digital professionalisiert und nach und nach sickert es durch, dass das digitale Profil sich nennenswert auf das öffentliche Bild der Institution auswirkt. Die Frage danach, wo Museen ihre Geschichten erzählen und ihre Botschaften vermitteln, steht jedenfalls bei vielen Konferenzen und Tagungen zum Thema im Raum. Auch die Auffassung davon, was eigentlich einen virtuellen Museumsbesuch ausmacht, verändert sich nach und nach. Der innovative Geist eines Museums drückt sich so durch einen spezifisch digitalen Fingerabdruck aus. Aber wie genau sieht dieser aus und wie reflektiert bedienen sich Museen eigentlich der zur Verfügung stehenden digitalen Mittel?

Warum entwickeln Museen zum Beispiel Formate wie digitales Storytelling, welche Ziele verbinden sie mit der Entwicklung von digitalen Spielen, oder warum entwickeln sie eigentlich Apps? (…entwickeln sie überhaupt Apps?) Gehört digitales Ticketing zum Standard, werden die Sammlungen online gestellt, nutzen die Häuser die Möglichkeiten von social tagging, oder gibt es ein digitales Sammlungsmanagement?

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Screenshot der Website von „museum-digital“ – ein Online-Objekt-Repositorium, 2018.
 

Mit der Frage danach, wie angemessen Museen auf die Digitalisierung reagieren, hat sich 2016 auch die Berliner Agentur „Lucie, Torben und die gelbe Gefahr“ befasst. Die Agentur untersuchte die Frage, ob Berliner Museen den digitalen Wandel verschlafen hätten. Die Befunde tragen in der Tat nicht gerade zur Beruhigung bei. Die Agentur ermittelte, das zwar fast alle Museen eine eigene Webseite hätten und auf Facebook aktiv seien, aber dass beispielsweise nur ein Drittel einen Online-Ticketverkauf möglich machten, dass im Haus kaum auf digitale Angebote hingewiesen würde und dass es bei zwei Drittel der Museen kein offenes WLan für die Besucher gebe. https://www.tlgg.de/clipping/public-marketing-berliner-museen-haben-digitalen-nachholbedarf/ Man kann sich vorstellen, was es für Apps und mobile Webseiten im Museum bedeutet, wenn es kein Wlan gibt – da oft ja auch mobile Daten in den Museumsgemäuern nicht gerade einwandfrei funktionieren.

Schaut man sich also um in der deutschen Museumslandschaft, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es zwar darum geht, „digital vorne mit dabei zu sein“. Was das dann aber im Detail heißt, lässt sich weniger leicht sagen und oft werden Begriffe wie Partizipation, Bildung, Vermittlung und Kommunikation eher als nebulöse Versprechen in den Raum geworfen – denn digitale Mittel sollen für das Museum die Tür in Richtung Zukunft öffnen. Was genau diese Zukunft bringen soll, wie sie aussehen wird, oder wie sie ggf. zu gestalten sei, das bleibt vage. Vieles muss natürlich auch vage bleiben, denn die Aneignung digitaler Mittel, deren Entwicklung rasant voran schreitet, kann auch einfach nicht von einem Tag zum anderen stattfinden. Dennoch wäre es vielleicht nicht vollkommen abwegig zu behaupten, dass die Digitalisierung die Museen derzeit kräftig herausfordert und dass sich die Institution im Grunde generell neu erfinden muss, um die Chance der Digitalisierung mutig zu ergreifen, statt sich von ihr auf den Kopf stellen zu lassen.

SUMMARY:

It has often been repeated that museums will be radically transformed throughout the digital age. One claim is that museums need to keep up with the technological evolution if they don’t want to lose touch with their audiences. No doubt the way in which people communicate and share information is constantly changing and museums need to be aware of this in order to remain relevant players in society.

Over about the last 20 years museums have tried to keep up with such changes, but they did not necessarily develop consistent concepts. Consequently, the reason why museums are on Facebook or Twitter is not always transparent. The way in which digital tools and social platforms are used should be evaluated more carefully.

Despite the fact that few museums in Germany have a clear strategy for using digital media there is consensus that the digital age will provide many opportunities especially with regard to aspect of participation, education, outreach and sharing data. Still, such benefits will not come without a concerted effort of many professionals in the museum world and beyond.

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